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Warum wir Adobe gecancelt haben.

Zur Zeit gibt es wieder mal eine große Diskussion um Adobe. „Adobe nimmt Kreativschaffende aus.“ steht gegen „Wir haben keine andere Wahl als Adobe.“ Heute klären wir, warum wir doch eine Wahl haben.
  • 23 Oktober 2026
  • 8 min Lesezeit
Doreen Bellmann
Doreen
Winfried Bellmann
Winni

Neulich erst habe ich unter ein After Effects Tutorial kommentiert „Crazy, dass es immer noch Menschen gibt, die After Effekts nutzen.“ und dafür einigen Gegenwind bekommen. „Jeder könne sich doch seine Tools frei aussuchen.“ war im allgemeinen die Antwort. Doch das entspricht genauso wenig der Wahrheit wie „Wir haben keine andere Wahl als Adobe.“ - ein Satz, der oft unter Adobe-kritsche Beiträge kommentiert wird. Schon zeigt sich, die Sache ist kompliziert, und hier lohnt es sich einmal genauer hinzuschauen.

Adobes Strategien

Während unserer Ausbildung in den 2000ern an der Uni haben wir und unser gesammtes Umfeld nahezu ausschließlich Adobe-Produkte genutzt. Ich fand das damals schon etwas merkwürdig und nutze auch andere Software wie zum Beispiel Combustion (die damalige Alternative zu After Effects). Doch wirklich gekümmert hat uns dieser Umstand eigentlich nicht. Bis sich irgendwann das Blatt wendete.

Adobe erkannte seine Vormachtstellung wie auch die daraus resultierenden Möglichkeiten und begann diese für sich zu nutzen. Nach und nach wurde der Konzern immer agressiver darin, seine Nutzer in Abhänigkeiten zu zwingen:

1) Locked-In Mechaniken

Zum einen hat Adobe ein Ökosystem an Software erschaffen, dass auf den ersten Blick sehr gut miteineander interagiert. Premiere, Photoshop und After Effects tauschen durch direkte Softwarebrücken Dateinen aus, die jeweilige Änderungen immer und überall übernehmen. Damit erleichtern sie uns Usern zwar die Arbeit, zwingen uns aber gleichzeitig in einen goldenen Käfig. Ist der oft aus Zeitdruck gewählte Workflow etabliert, gibt es kaum ein zurück mehr.

2) Industriestandard definieren

Ein weiteres Argument, das oft benannt wird, ist der Zwang, dass Kunden Adobe-Formate als Endprodukt anfordern. Gerade im Printbreich hat Adobe eine deartige Vorherschaft erreicht, dass es den Format-Standard setzen konnte. So konnte es sogar offene Formate wie EPS durch das eigene PDF verdrängen und damit selbst zum Standard werden. Genauso wie bei den Locked-In Mechaniken kann Adobe einfach auf mangelnde Vorsicht der Nutzer setzen und langsam aber sicher die Schlacht gewinnen.

3) das Abomodell

Das letzte rein käuflich erwerbbare Produkt von Adobe war die Creative Suite 6. Danach führte der Konzern 2011 als einer der ersten ein Abo-Modell ein, in dem die Software nicht mehr erworben, sondern nur noch gemietet werden konnte. Da Projekte aber oftmals überlappen, gelegentlich auch über mehrere Jahre laufen, sind Kündigungen fast nie sinnvoll, ein Ausstieg also sehr umständlich und mit dem Verlußt auf jede Editierbarkeit vorangegangener Arbeit verbunden. Und das sollte Adobe sogar nocheinmal toppen: hohe Stornogebühren und ein unnötig kompliziertes Kündigungprozedere hält viele Nutzer weiter in der Abofalle gefangen.

Möglichkeiten der Befreiung

Hier kommt im besten Falle quelloffene (open source) Software ins Spiel. Das Argument, damit wäre man nicht konkurrenzfähig, können wir an der Stelle schnell entkräften. Wir haben über ein Jahrzehnt uns nach und nach auf solche Alternativen umgestellt und sind nicht nur wettbewerbsfähig geblieben - wir konnten damit sogar Kosten senken.

open source
unsere Adobe Alternativen - getestet im täglichen Einsatz
  • Photoshop – Krita
  • Premiere – Davinci Resolve
  • After Effects – Fusion
  • Audition - Fairlight
  • Substance Painter – Blender
  • Lightroom – Darktable
  • Adobe-KI – Comfy UI

Das beste daran ist, dass ihr die gesammte Liste kostenlos downloaden und sogar offline nutzen könnt. Lediglich bei Davinci Resolve empfehlen wir die Pro-Version für ca. 299€ (2026) einmalig zu kaufen. Damit schaltet ihr nicht nur alle Features frei, ihr habt sogar alle zukünftigen Updates inklusive. Warum Blackmagic diesen irren Deal anbietet, konnte mir nicht mal der Händler selbst sagen. Wir haben uns jedenfalls für die Dongle-Variante entschieden, da diese auch noch offline funktioniert.

Photoshop – Krita

Wir müssen zugeben, dass die Alternative zu Photoshop die schwerste von allen war. Krita selbst ist in der Lage PSD-Files zu laden, allerdings nicht uneingeschränkt. Filterebenen können im Ergebnis abweichen und erst in der neuesten Version 5.3 werden PSD-Text-Ebenen als editierbar geladen. Dennoch wird allen Photoshp-Nutzern schnell auffallen, wie ähnlich Krita zu PS aufgebaut ist und wie fix man sich in die Oberflächer verlieben kann. Besonders die Vektorgrafiken, die in PS äußerst umständlich funktionieren, sind in Krita erstaunlich gut gelöst.

Premiere – Davinci Resolve

Hier liefert Blackmagic mit einer ganzen Palette an Tools in Form von Davinci Resolve die Lösung. Als Freeware zum unbegrenzten Testen oder als Studio-Variante mit allen Optionen. Wir nutzen diese Software inzwischen seit 2017 und vermissen hier nichts im Vergleich zu Premiere. Blackmagic denkt hier wirklich vom Beginner hin bis zur Kinofilmproduktion alles mit. Auch die adobe-seitigen Softwareverbindungen sind im Davinci-Paket von Blackmagic zu finden. Davinci Resolve, Fusion und Fairlight kommen als All-in-One-Installation und sind damit schon in sich miteinander integriert. Damit liefert die Suite alles, was bei einer vollwertigen Produktion nötig ist.

After Effects – Fusion

In erster Linie fällt auf, dass der Node-basierte Workflow von Fusion übersichtlicher und vielseitiger ist, als der veraltete Layer-basierte Workflow von After Effects. Zudem lässt sich die ohnehin schon breite Palette an Filtern zusätzlich mit Ofx Plugins erweitern. Mich erinnert Fusion damit mehr an das weit mächtigere Nuke als an After Effekts, ist also klar die bessere Wahl. Für Komplexere Projekte ist Fusion auch als Einzeltool installierbar. Hierfür ist allerdings eine Studio-Lizens von Davinci Resolve nötig.

Audition – Fairlight

Fairlight als Teil von Davinci Resolve ist für Sounddesigner im Bereich Film gedacht, kann aber auch zur reinen Tonproduktionen verwendet werden. VST-Plugins werden vollumfänglich unterstützt, immer mehr KI-unterstütze Werkzeuge kommen in jeder neuen Version hinzu. Für uns im Filmbereich ist die Palette an Möglichkeiten oftmals mehr, als wir eigentlich brauchen.

Substance Painter – Blender

Blender ist einfach unschlagbar. Und entwickelt sich gerade in Rekordtempo weiter. Wir nutzen Blender vor allem, weil es im Bereich KI durch seine Quelloffenheit am verbreitetsten ist.

Lightroom – Darktable

Zugegeben, Darktable ist nicht einfach zu benutzen. Hier braucht es etwas Eingewöhnung. Für Fotografen lohnt sich der Wechsel dennoch, da sich Darktable wunderbar mit der Fotopage von Davinci Resolve und den Möglichkeiten von Krita kombinieren lässt.

Adobe-KI – Comfy UI

Zur Adobe-KI Firefy etc. können wir leider keine konkreten Aussagen machen. Diese kennen wir nur aus Tutorial-Videos und scheinen ziemlich mächtig. Dem entgegensetzen würden wir dennoch die rasant wachsenden Möglichkeiten von Comfy UI, die so ziemlich alles abdecken, was per KI möglich ist. Das Ganze wenn gewünscht lokal auf dem eigene Rechner und damit gebürendfrei, kontrollierbar und modular einzurichten für den eigenen Bedarf.

Wer jetzt genau hingeschaut hat, wird sicher schon bemerkt haben, dass unsere Alternativen alle auch auf Linux nativ laufen - ein weiterer Vorteil gegenüber Adobe, die das bisher nicht geschafft haben und der perspektivisch zusätzliche Optionen für mehr Unabhängigkeit eröffnet.

Ein polypolistischer Softwaremarkt hilft allen

An der Stelle ein Shout Out an die Kreativausbildung, Universitäten und Schulen: befreit kreative Menschen von morgen, indem ihr im besten Falle offene Software und offene Formate unterrichtet! Das frühe Einsperren in den Adobe-Käfig verschärft die Marktlage unnötig immer weiter.

Je mehr Nutzer sich von Adobe abwenden und sein Monopol aufbrechen, desto besser wird es für alle Kreativschaffenden. Es werden nicht nur die Preise durch den Konkurrenzdruck kleiner, auch die Software selbst wird offener und nutzerfreundlicher. Offene Standards würden wieder mehr gefördert werden, damit alle Softwareanbieter am Markt mitmachen können und sogar der Endkunde würde von all dem profitieren, da er Dateien erhält, die von mehreren Bearbeitern editiert werden können.

Es wäre ein Geben und Nehmen, in dem die erarbeiteten Mehrwerte keine Geisel der Monopolisten wäre, sondern das Gut jener, die es verwerten wollen, wie in einem funktionierendem Ökosystem.

Und eins sollte uns immer klar sein – was in der Cloud ist, kann morgen weg sein. Oder mehr kosten. Oder plötzlich unter AGBs fallen, die wir nicht akzeptieren können. Was auf unserer Festplatte ist, kontrollieren wir.

Ihr habt die Wahl. In dem Sinne, Winni & Doreen.

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