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  • Ralle & Bolle - Die neue Waschmaschine

Von der Idee zum Storyboard

Die Idee stammt von zwei laufradsüchtigen Mäusen. Merkwürdigerweise liegt es in der Natur dieser Tiere, ausdauernd in einem solchen Gerät zu laufen. Schließlich dachte ich bei unserer Waschmaschine, dass Mäuse diese sicher lieben würden.
  • 24 März 2026
  • 5 min Lesezeit
Winfried Bellmann
Winni

DAS Haustier im Laufrad ist und bleibt jedoch der Hamster. Aber wie sollte ein Hamster in die Waschmaschine kommen? Allein ist das eigentlich nicht zu schaffen. Ein Hamster und seine Freunde könnten einen Rummel besuchen, wo unter anderen Attraktionen eine umgebaute Waschmaschine steht. Doch ein belebter Rummelplatz schien mir zu kompliziert.

Die Geschichte sollte im eigenen Käfig mit Laufrad beginnen, damit die Motivation des Protagonisten geklärt werden konnte. Ich entschied mich für eine Küche mit Waschmaschine, natürlich mit Frontladeluke.

Die Idee zu Ralle & Bolle

Die Geschichte ließ sich einfacher mit zwei Hamstern erzählen: Ralle und Bolle. Somit konnte ich in das Zusammenspiel der Beiden sämtliche Informationen für den Zuschauer packen. Wie sehr sie ihr Rad lieben, zeigte ich zum Beispiel indem sie sich darum streiten. Dazu war es sinnvoll, ihnen unterschiedliche Charaktere zu geben, einmal, damit der Zuschauer die beiden auseinander halten kann aber viel wichtiger noch, damit die Rollen mit ihren Gegensätzen spielen können.

Ich verzichtete auf Dialoge, da diese natürlich aufgesetzt wären aber nicht unbedingt notwendig. Alles über Gestik und Mimik zu erklären entsprach mehr dem tierischen Charakter der Beiden und dem eher einfachen Muster der Geschichte. Kommunikation im Film verlangt nicht zwingend gesprochene Worte, wie schon der Stummfilm vielfältig gezeigt hat. Ich sah darin eine zusätzliche Herausforderung.

kitchen
Ralle & Bolle gezeichnet

Vom Spieltrieb angetrieben geben die beiden ihr Bestes um die Maschine in Gang zu bekommen. Bei einigen logischen Fragen wie „Woher sollten sie wissen, wie man eine Waschmaschine bedient?“ oder „Funktionieren Waschmaschinen ohne Wasser?“ habe ich absichtlich auf komplizierte Erklärungen verzichtet, da die ganze Geschichte an sich eher fantastisch und nicht völlig real ist. Am Höhepunkt der Geschichte scheint alles zu funktionieren, doch gerät die Maschine außer Kontrolle: Schleudergang!

Letztlich geht es um die immer wiederkehrende Geschichte vom Ausprobieren, egal ob verboten oder nicht, und dem Lernen aus eigenen Fehlern. Die Zielgruppe sind Kinder zwischen drei und acht Jahren, einem Alter, in dem man seine Umwelt erkundet und versucht eigene Wege zu gehen.

Damit die Geschichte eine Entwicklung vollziehen konnte, baute ich den Hamstern mehrere Hürden ein. Sie sollten sich ihr Ziel erarbeiten. Zuerst das Verlassen des Käfigs unter voller Anstrengung, dann Bolles Hängenbleiben am Wasserhahn und die Probleme mit der widerwilligen Waschmaschinentür. Ein wichtiges wiederkehrendes Element ist ihre Streitsucht, die zusätzlich dem gemeinsamen Gelingen entgegen wirkt.
Durch das Meistern dieser Hindernisse entstanden bereits die wichtigsten Charakterzüge. Da Ralle im zweiten Teil der Geschichte eher passiv in der Waschmaschine agiert, ist seine Rolle im ersten Teil die dominantere. Somit ergab sich ein Gleichgewicht zwischen den beiden Figuren. Bolles leicht passiver Charakter wandelt sich durch sein Interesse am Zielobjekt. Er übernimmt die Ausführung des gemeinsamen Plans durch seine treudoofe Art.

In meinem ersten Entwurf der Geschichte war es die Hausfrau, die die Waschmaschine zum Stoppen bringt. Sie zieht den Stecker und wäscht die Hamster zur Strafe. Jedoch bricht somit diese aufgebaute Spannung ohne Pointe in sich zusammen. Sie sollte sich aber entladen können. Also ließ ich Bolle die Sache selbst in die Hand nehmen und ihn genau das Falsche machen: das Stromkabel durchbeißen. Um nochmals die Pointe etwas hinauszuzögern übertrug ich den Effekt des Knalls auf das Außenset, als die Wäsche wie von einer Druckwelle erfasst wird.

Die Seifenblasenblende steht sinnbildlich für einen weiteren Waschgang, dessen Auswirkung gleich danach sichtbar wird. Damit sich die gewaschenen Hamster auf der Wäscheleine besser erklärten, verlegte ich dies in die Nacht. Somit besteht ein Zeitsprung, der eine Reparatur des Stromkabels rechtfertigt und das Absitzen ihrer Strafe zusätzlich unterstreicht.
Zudem schließt sich der Kreis wieder und man hat beim Zuschauen das Gefühl, das Ende erreicht zu haben.

kitchen
die Küche als erster Entwurf

Die Küche hatte ich ungefähr im Kopf. Es gab drei Bedingungen, die der Grundriss erfüllen musste: Die Waschmaschine musste vom Käfig aus gut sichtbar sein, die Hamster brauchten einen möglichen Weg um zu ihr zu gelangen und sie musste gegenüber der Tür liegen, damit in der vorletzten Einstellung die Subjektive von der Tür ausgehend direkt auf die Waschmaschine mit den Hamstern gerichtet sein konnte. Nach einer Vorzeichnung entstand das fertige Model im Computer.

Nach dem Modellieren käme nun aber das Animieren, was ein fertiges Storyboard voraussetzt. Ich musste zurück zu Papier und Bleistift. Diesmal konnte ich auf gesammelte Ideen, die mir beim Modellieren kamen zurückgreifen und die Geschichte in bessere Bilder fassen. Beim Entwerfen entwickelt sich ein Gedanke aus dem anderen, ich hatte einen besseren Start und damit auch ein gelungeneres Ergebnis.

Das Storyboard

Storyboard 01
Das vollständige Storyboard zum blättern

Nachdem die Figuren und der Handlungsort definitiv festgelegt waren, begann ich die Geschichte in einzelne Sequenzen und diese wieder in einzelne Einstellungen zu zerlegen und aufzuzeichnen. Das entstandene Storyboard enthielt quasi eine möglichst genaue Voransicht des fertigen Films von Schnitt zu Schnitt, inklusive aller Bewegungen im Bild, ähnlich wie bei einem Comicheft.

Das war wichtig für die Animation, weil damit alle Bewegungsabläufe und deren Detailgrad vorgegeben waren und ich auf Bewegungen außerhalb des Bildes verzichten konnte. Überhaupt bietet das Storyboard bei animierten Filmen die einzige Grundlage, bevor etwas Weiteres entstehen kann, da alles nur virtuell zu Verfügung steht und die Idee vorerst nur im Kopf existiert.

Ich nahm das Storyboard als die erste vollständige Erzählung der Geschichte, in das viele Dinge erst beim Vorzeichnen mit einflossen, zum Beispiel das Intermezzo mit dem Wasserhahn. Beim ersten Versuch eines Storyboards hatte ich noch kein Modell der Küche erstellt, weswegen ich mit dem Resultat weniger zufrieden war. Die Auflösung war zu einfach, alles ging viel zu schnell, es gab kein Spiel zwischen Perspektivwechseln und schon beim Vorzeichnen hatte ich das Gefühl, dass das Zuschauen keinen Spaß machen würde. Trotzdem half es mir dieses Storyboard auf Papier zu zeichnen um Platz für neue Idee zu schaffen. Ich ließ es eine Weile liegen und begann erstmal mit dem Modellieren der Hamster und der Küche. Dieses erste Storyboard half mir dabei als Orientierung an Details.

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