Dadurch, dass wir zwei Augen haben, ist unser Gehirn in der Lage, Entfernungen nicht nur über die Größe eines Objekts einzuschätzen, sondern auch durch seine Abweichung zwischen den beiden Bildern, die wir mit unseren Augen aufnehmen. Dieser wirklich faszinierende Umstand heißt stereoskopisches Sehen und wirkt beim Ausprobieren unerwartet eindruckvoll. Deshalb will ich ihn hier kurz einmal erklären:
Dass nahezu alle sehenden Tiere zwei Augen besitzen, liegt vermutlich mit daran, dass Orientierung im Raum ein überlebenswichtiger Vorteil ist, der sich evolutionär durchgesetzt hat - Wir können unsere Umgebung intuitiv viel besser räumlich beurteilen.
Für mich als Filmschaffender will ich über das Bild hinaus - Bewegung trennt schon mal das Medium Film von Fotografie und Malerei. Aber Film kann noch mehr. Es kann die Leinwand oder den Bildschirm zu einem echten Fenster in eine andere Welt werden lassen, in das man gefühlt hineinschauen kann und aus dem Dinge herauskommen können. Ist das Fenster groß genug, werden wir als Zuschauer ein Teil dieser fantastischen anderen Welt.
Durch unsere zwei Augen nehmen wir fast das gleiche Bild auf. Wie zwei Kameras, die direkt nebeneinander sind. Doch es gibt kleine Abweichungen, die unserem Gehirn verraten, wie weit es von dem Punkt entfernt ist, auf den wir gerade schauen – je gößer die Abweichung, desto weiter die Entfernung. Zusätzlich lassen sie Körper noch räumlicher wirken, da wir sie aus mehrern Perspektiven betrachten. Aus all diesen Abweichnungen der zwei Bilder baut sich unser Gehirn wie einen drei dimensionalen Raum, den wir wirklich fühlen können.
Damit ihr also in jedem Auge zwei unterschiedliche Bilder zu sehen bekommt, habe ich hier die einfachste Methode gewählt, das anaglyphe Farbbrille. Hier werden zwei Komlementär-Farben benutzt – Rot und Cyan – um einen größtmöglichen Unterschied zu garantieren.
Dann werden beide Bilder oder Videos, was auch nur Bildfolgen sind, rot beziehungsweise cyan eingefärbt und übereinander gelegt. Ohne Brile ensteht dabei ein Bild, das einem eher Kopfschmerzen bereitet, wie hier zu sehen ist.
Setzt man nun die Brille auf, so kann das Auge hinter dem roten Brillenglas nur noch den cyanfarbenen Teil des Bildes sehen, da das Rot im Glas wie ein Filter funktioniert, und das Auge hinter dem cyanfarbenen Brillenglas kann nur noch den roten Teil des Bildes erkennen. Das entstandene Bild soll dabei wie schwarz-weiß wirken, tut es aber nicht ganz. Man muss sich ein wenig anstrengen, die Rot/Cyan-Farben im Kopf zu ignorieren. Aber das Erbenis kommt dem Sinn der Sache erstaunlich nahe.
Noch besser funktionieren natürlich Polarisations-Filter-Brillen in 3D-Kinos. Diese behalten die ursprünglichen Farben bei, benötigen jedoch Bildschirme oder Beamer, die kein normaler Mensch zu Hause hat.
Hin und wieder fällt einem eine solche Brille in die Hände, bespielsweise auf Filmveranstaltungen oder als Beigabe zu Spielen. Meine kam zusammen mit dem Autorennspiel „Trackmania“. Also kann es sein, das einer eurer Freunde eine solche Brille besitzt, falls ihr keine habt. Ihr könnt aber auch eine selbst basteln:
Dazu besorgt ihr Euch rote und cyanfarbene Klarsicht-Folie aus dem Bastelladen. Diese wird oft im Zusammenhang mit Windrad-Bastelmaterial angeboten. Daraus schneidet ihr die „Brillengläser“ aus. Herauskommen muß eine rote Folie und eine cyanfarbene Folie mit jeweils 5 cm x 3,5 cm Kantenlänge.
Dann besorgt ihr Euch Pappe (vorzugsweise in schwarz) und schneidet daraus folgende Form aus:
Alle nicht bemaßten Größen braucht ihr nur ungefähr treffen, da kommt es nicht auf Perfektion an. Jetzt legt ihr die rote Folie über das untere, linke Loch und die cyanfarbene Folie über das untere, rechte Loch und faltet die obere Brillenhälfte nach unten.
Jetzt tackert ihr mit dem Klammeraffen zwei Mal jedes Brillenglas fest, so dass sie Vorder- und Rückseite mit den Folien zusammen halten, und faltet die Brillenbügel nach oben. Hier seht ihr nochmal das Vorbild aus Trackmania und die nachgebaute Variante mit schwarzem Tonpapier.
FERTIG! Und jetzt viel Spaß bei Ralle & Bolle in 3D. Das Video findet ihr am Anfang des Artikels.