bellmannfilm logo
  • Unsere Filme
  • Offene Projekte
  • Freie Assets
  • Über uns
  • Ganzer Blog
  • EN
  • Was dachen Sie denn?

Organisation & Dreh

Filmdrehs haben etwas Magisches. Als würde ein Traum Form annehmen - greifbar werden. Gleichzeitig ist dieser Prozess der anstrengenste Teil des Filmschaffens.
  • 21 Januar 2026
  • 8 min Lesezeit
Winfried Bellmann
Winni

Eigentlich könnte man sich freuen. Das Drehbuch ist fertig und die Geschichte hat ihren Rahmen gefunden. Doch jetzt steht man vor einer Menge komplizierter Fragen: Wer soll die Figuren spielen? Wo kann die Geschichte stattfinden? Wer wird beim Filmdreh mitmachen wollen und mit welcher Technik wird das Ganze gedreht? All das zu Organisieren ist ein Kunststück für sich. Zum Glück hatte schon damals Doreen das richtige Geschick dafür.

Organisation

Mit dem fertigen Skript in der Hand wendete ich mich nun an McDonalds und BurgerKing wegen einer Drehgenehmigung für drei Nächte. Doch die Anfangs so netten PR-Frauenstimmen am Telefon hatten schon nach wenigen Anrufen nur eine klare Botschaft: keine Chance! Für McDonalds war der organisatorische Aufwand zu groß, wie auch immer das gemeint sein soll, BurgerKing wollte keine falschen Gedankenanstöße geben.

Kameracrew

Anfang Januar telefonierte ich mit dem Erfurter Kameramann Egbert Bertram, ob er Zeit und Interesse an meiner Produktion hatte. Ich kannte bisher nur die optisch ansprechenden Resultate studentische Arbeiten, an denen er mitgearbeitet hatte. Durch seine Zusage konnten wir erste technische Details klären: welchen Kameratyp benutzt er? Wie drehen wir? Was wird zusätzlich gebraucht? Mit ihm kam Carina Bachmann für das Bühnenlich hinzu, was sich später als hervorragendes Team herausstellte. Ich hatte in der Zeit viel Unterstützung von Doreen, die das Chaos in Grenzen hielt. Sie suchte nach meinen Vorstellungen passende Darsteller aus Internetagenturen.

Shoot 01
Egbert Alexander Bertram und ich an der Kamera.

Darsteller

Auf unsere Anfragen meldete sich Ezard Haußmann, der Vater des Regisseurs Leander Haußmann („Sonnenallee“, „Herr Lehmann“) für die Rolle des Neuhäusers. Er verriet mir, selbst habe er die Geschichte weniger gemocht, seine Frau jedoch und seine Agentin hatten ihn letztlich überzeugt, mitzuspielen. Einen Tag später, am 07. Januar bekam ich die Zusage von Jan Sosniok, der den Borowski spielen sollte aber nur bis 02. Februar Zeit dafür hatte. Immer noch hatte ich keinen Drehort, sagte den beiden aber für 30. Januar bis 01. Frebruar zu. Das waren gerade mal drei Wochen bis zum Dreh und es gab noch jede Menge zu organisieren: Das Team, der Drehort, die Technik, der dritte Darsteller, Treffen und Absprachen, Einkäufe im Baumarkt und Ikea für die Bühne, Catering, der gesamte Transport und alles, was man im ersten Moment noch nicht sieht, aber mit einplanen muss. Ich machte mir Sorgen.

Zwei Wochen vor Beginn fuhren Doreen und ich nach Berlin um beide Schauspieler zu treffen. Die Gespräche waren sowohl inhaltlicher wie auch organisatorischer Natur: Haußmann hatte klare Vorstellungen von seiner Unterkunft und seinen Arbeitsbedingungen. Ich versprach ihm soweit wie möglich entgegen zu kommen und wir trennten uns jeweils im Einklang.

Zurück im Weimar hatte ich die Absage im eMail-Postfach. Haußmann war die Sache nicht geheuer, zudem begannen für ihn Proben im Berliner Schauspielhaus am 02. Februar. Doch nach einiger Recherche konnte ich kurzfristig Reinhard Friedrich für die Rolle gewinnen. Nach einem gemeinsamen Gespräch in Erfurt war ich mir sicher: er hatte die Rolle im Blut.

Shoot 02
Jan Sosniok (Mitte) und Reinhard Friedrich (rechts).

Auf der Suche nach der zweiten Kamera vom Typ JVC HDV 100 fand ich Unterstützung bei dem Saalfelder Technikausstatter VST-Pro. Wir einigten uns darauf, dass ich die Kamera eine Woche haben konnte, wenn ich eine Versicherung dafür finde und bezahle. Rückblickend eine sehr hilfsbereite Geste.

Drehort

Bleibt das Problem Drehort. Es fiel mir im Nachhinein gesehen unglaublich schwer, von diesem Fast-Food-Flair wegzukommen. Erst als die letzte definitive Absage am 18. Januar kam machte ich mich auf die Suche nach zutreffenden Lokals und Bars in Weimar. Da hatten wir die eher studentische Kneipe „Planbar“, eine italienische Bar, eine unabhängige Sandwichbar, die „La-La-Bar“ und ein eher autonom wirkendes Musik-Café namens „Roxanne“. In letzterem konnte ich mir die Geschichte am besten vorstellen, zudem konnten wir den Laden für zwei Nächte und die Zeit dazwischen haben. Natürlich nur gegen eine erhebliche Unkostenzahlung. Dort traf ich mich am 24. Januar mit dem Kameramann Egbert, der Beleuchterin Carina und Doreen, die inzwischen mehr oder weniger die Produktion verwaltete. Wir einigten uns auf die Einstellungen, das Licht, Umbauten und zusätzliche Technik.

Dies bedeutete, dass wir mit einem 1,2 kW-Scheinwerfer von der Straße aus durch das Fenster in das Café leuchten würden. Zusätzlich gab es die Kranfahrt vor dem Café. Da das Haus mit den Anwohnern schon polizeiliche Probleme bekommen hatte, riet uns der Ladenbesitzer, eine Drehgenehmigung einzuholen. Und tatsächlich muss man das auf dem Markt genehmigen lassen und dafür Standortgebühren zahlen! Nachts! Nach einer Odyssee von Behörde zu Behörde standen wir vor der Option: sagt der benachbarte Juwelier zu, dürfen wir den Scheinwerfer aufstellen, sonst nicht. Aber den zu überreden war wesentlich einfacher gesagt als getan.

Shoot 03
Der Scheinwerfer sorgte für das besondere Licht am Set.

Dreh

Erster Drehtag

Am Dienstag ging es nach einer schlaflosen Nacht 7.30 Uhr aus dem Bett. Doreen musste vormittags nach Ilmenau an die Uni, also kümmerte ich mich um die ersten Termine selbst. Einen Schauspieler für die immer noch freie Rolle des Barkeepers musste ich später suchen. Ich traf mich mit Martin, Carinas Lichtassistent, um den Transporter auszuleihen, damit dieser von Erfurt Lichttechnik abholen konnte. 13 Uhr dann der Empfang der Schauspieler im Hotel Amalienhof. Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging ich mit Jan und Reinhard den Text durch. Jans Textunsicherheit machte mir Sorgen, Reinhard konnte seine Passagen sehr überzeugend wiedergeben. 17 Uhr übernahm Doreen die beiden zu Kostümanproben. Ich holte den Transporter ab um bei Jean Claude, unserem Uni-Technik-Verleiher, die bestellte Technik zu verladen. Beim Einräumen wurde mir klar, was Carina und Egbert vorhatten, der Transporter war bis oben hin randvoll.

Parallel dazu begann Doreen bereits im Roxanne mit dem Empfang der Filmcrew und den ersten Aufbauten. Mit einer Stunde Verspätung kam ich mit der Technik dazu und nach einer kurzen Ansage von Doreen als Aufnahmeleitung und mir fingen wir an. Ich hielt Rücksprachen mit Egbert, Doreen, dem Tonmann Constantin und der Bühne. Alles schien zu funktionieren. Nur zwei Probleme schienen unlösbar: vom Studentenclub „C-Keller“ nebenan tönte brummend Musik zu uns durch und die Stromversorgung vom Markt hatte nicht wie versprochen den passenden Stromanschluss. Doreen hatte trotzdem alles im Griff und fand für jeden eine Lösung. Ich konnte mich völlig gestalterischen Fragen widmen und ging noch einmal den Text für mich durch. Für diesen „Drehtag“ musste der gesamte Part am Tisch vom Hinsetzen Borowskis bis zum gemeinsamen Aufstehen gefilmt werden.

Um 23 Uhr waren wie nach Plan alle Vorbereitungen fertig und ich holte die Schauspieler ans Set. Nach einem gemeinsamen Essen ging es weiter: das Licht wurde angepasst, ich traf letzte Absprachen. Der erste Durchgang umfasste insgesamt 10 Seiten Text, die ungefähr zehn Minuten Film entsprechen. Jan hatte inzwischen seinen Text gelernt und das Spiel funktionierte wesentlich besser als bei der Probe. Ich war sehr zufrieden und nun dem Rest des Drehs gegenüber optimistisch. Nach 4 Durchläufen gab es einen kleinen Umbau der Kameras für den nächsten Durchgang: Sechs Seiten Text.

Shoot 04
Letzte Anpassungen und Maske.
Shoot 05
Alles eingerichtet. Erste Klappe.

Langsam merkte ich, wie die Anspannung der vergangenen Tage ihren Tribut forderte. Auch Jan sah man die Erschöpfung an. Doch sein Spiel wurde kontinuierlich besser. Reinhard dagegen schien nicht unterzukriegen zu sein. Zum Schluss waren noch ein paar Detailaufnahmen zu machen. Obwohl ich versuchte, dagegen anzukämpfen holte mich die Müdigkeit ein. Da jedoch die Bewegungen der Schauspieler klar waren und es nur noch darum ging diese ins Bild zu setzen, kamen wir schnell zum genünschten Ergebnis. Um fünf Uhr Morgens war dann endlich Drehschluss. Nachdem wir teilweise umgebaut hatten, fiel ich sechs Uhr wie tot ins Bett.

Zweiter Drehtag

Mittwoch 13 Uhr hieß es dann wieder Aufstehen. Doreen und ich begaben uns auf die Suche nach einem Schauspieler für die Rolle des Barkeepers. Ein Freund vom Theater im eWerk gab uns dann den Kontakt zum Jugendtheater Weimar: einen gewisser Max Schreiner. Dieser konnte uns jedoch erstmal nur telefonisch eine unverbindliche Zusage geben. Er würde später zurückrufen.

16 Uhr trafen Doreen und ich wieder die Lichtcrew zum Umbau. Mit dem Lichtassistenten Martin und einigen anderen Helfern mussten wir jede Menge Platz machen, denn in dieser Nacht sind alle Gänge zu filme und das Ende an der Bar. Licht benötigt ja bekanntlich die meiste Zeit, der Rest war 19 Uhr vollständig wieder im Einsatz. Während also alle wieder zu schaffen begannen, bat mich Doreen nach draußen. Es gab folgendes Problem: Im C-Keller war eine Live-Jazz-Jam für diesen Abend von 22 bis 2 Uhr angekündigt. Dies wäre wesentlich lauter als nachts zuvor geworden und die Dämmung in der Durchgangstür hätte sicher nicht gereicht. Es schien also, als hätten wir mindestens 4 Stunden Pause, 4 Stunden, die wir nicht hatten. Nach einer kurzen Krisensitzung einigten wir uns auf schnelles Arbeiten und den großen Umbau von Innen nach Außen in dieser Zeit. Nur kurz darauf kam Doreen wieder zu mir und berichtete, das Konzert sei abgesagt. Warum? Sie habe mit dem Juwelier gesprochen, ob nachts zuvor alles in Ordnung gewesen war und hatte nebenbei erwähnt, dass im C-Keller Live-Jazz laufen würde. Dass diese aber dafür überhaupt keine Genehmigung hatten, wusste der Juwelier und telefonierte daraufhin mit dem Bürgermeister. Alles Weitere lief zu unseren Gunsten. 21 Uhr dann Drehbeginn. Wir drehten den Anfang in mehreren möglichen Einstellungen. Die Anforderung an die Crew waren wesentlich höher als am vergangenen Abend, es musste häufiger umgebaut werden. Für unsere Darsteller waren die ersten Stunden eher langweilig.

Um 23 Uhr hatten wir Max immer noch nicht erreicht. Ich fragte einen interessierten Passanten mit dem passenden Aussehen, ob er die Rolle übernehmen könne. „Klar, warum nicht?“ Nach dem wir den Gang zur Bar mit ihm dahinter im Kasten hatten, ging ich mit Jan und unserem neuen Darsteller die Situation am Tresen durch: anstatt wie aufgefordert, das gesamte Geld herauszugeben, sollte dieser ihm ins Gesicht grinsen und lediglich 20 Euro überreichen. Nach ein paar Versuchen wurde mir klar, dass er das niemals überzeugend spielen kann. In der Kamera sah das ganze noch schlimmer aus. Ich entschied mich Max herbeizuholen.

Shoot 06
Max am Set, Carina im Hintergrund am Licht.

Um zwei Uhr ging es dann wieder normal weiter, allerdings diesmal mit Max als Barkeeper. Wir drehten im Roxanne das Ende, während Martin mit Unterstützung draußen den Kran aufbaute. Jans Part bestand nunmehr lediglich darin, am Boden liegen, Reinhard dagegen hatte den anspruchsvollsten Part seiner Rolle jetzt vor sich. Im Zusammenspiel mit Max bot er mir eine sehr emotionale Variante an. Diese überzeugte mich sofort und wir drehten den Dialog wieder aus mehreren Einstellungen aber immer von Anfang bis Ende. Zum Schluss blieb noch die Einstiegskranfahrt. Carina machte sich an den Lichtumbau. Reinhard und Constantin begaben sich in den mittlerweile lehren C-Keller um die Offtexte einzusprechen und ich hörte dabei der ausgereiften Erzählerstimme Reinhards zu.

Sechs Uhr starteten wir die ersten Krandurchläufe, doch die Fahrt war komplizierter als erwartet. Der Anfangs- wie auch der Endpunkt mussten sehr genau getroffen werden und die Bewegungen des Kranarms musste mit dem Drehen der Kamera völlig harmonisch ablaufen. Nach etlichen Wiederholungen hatten wir auch diese Einstellung im Kasten, dank Martin am Remotehead. Die Rathausuhr schlug sieben Uhr morgens.

Während langsam die Sonne aufging und der Markt zu neuem Leben erwachte, packten wir die Technik wieder vollständig in den Transporter und richteten das Roxanne wieder zu einem Café her. Irgendwann kam Jan nach draußen. Er verabschiedete sich knapp in der Lederjacke, die wir für die Rolle des Borowski gekauft hatten, und wünschte mir weiterhin viel Erfolg. Dann war er schon verschwunden. Ich sah ihm einen Moment lang nach, dann erst realisierte ich, dass der Dreh vorbei war. Martin und Carina verabschiedeten sich zuletzt ca. neun Uhr, auch sie mussten jetzt erstmal schlafen.

Jetzt hatten Doreen und ich nur noch ein Problem: der volle Transporter mit der wertvollen Technik durfte nicht ohne Beobachtung sein. Also fuhren wir mit ihm übermüdet und durchgefroren aber glücklich durch Weimar auf der Suche nach einem Frühstückscafé mit Parkplatzblick. Nichts hatte geöffnet. Schließlich gestattete uns Frank Tomas vom Technikverleih alles 11 Uhr auszuladen. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Jetzt musste nur noch der Wagen abgegeben werden und die Erfurter Lichttechnik zurück. Nach 25 Stunden auf den Beinen fielen Doreen und ich 14 Uhr am Freitagnachmittag ins Bett und verschliefen alle weiteren Termine an diesem Tag.

bellmannfilm logo
eMail uns Impressum Datenschutz bellmannmedia

Verbinde Dich mit uns auf Social Media.

Erstellt mit Blender Web Assets