Die Arbeit des Cutters wird oft unterschätzt. Man könnte meinen, dieser setzt doch nur die Schnippsel wie eh schon vorgedacht aneinander. Das jedoch ist die Ausnahme. Bei The Creator zum Beispiel betrag der Rohschnitt fünf Stunden und musste vom Cutter auf eine normale Filmlänge von ca. zwei Stunden geschnitten werden. Und tatsächlich funktioniert das Ergebnis ohne überhastet zu wirken, weil der Cutter die Geschichte in einem perfekten Fluss innerhalb des gesteckten Rahmens erzählen konnte.
Hier nun ein Rückblick auf unsere Schnittarbeit.
Zum Einspielen des Materials brauchte ich noch einmal die Unterstützung von VST am 5. und 6. Februar in Saalfeld. Vor Ort kopierten wir alle Daten von den HDV-Bändern in der Kamera über einen Schnittrechner auf unsere externe Festplatte. Und als hätte ich es geahnt, befanden sich auf zwei von vier Bändern längere Dropouts. Es fehlten ganze Takes, zu einer Einstellung sogar alle. Zu zwei Einstellungen hatte ich jeweils nur einen Take.
Auch der Versuch, die Bänder mit einer anderen Kamera einzuspielen, brachte nichts. Letztlich musste ich mit dem vorhandenen Material arbeiten. Der Schnitt und die erste Tonbearbeitung passierten parallel. Insgesamt sechs Sequenzen mussten nach Schuss-Gegenschuß-Prinzip geschnitten werden. Für die zwei wichtigsten Sequenzen, das Gespräch am Tisch, nahm ich jeweils das gleiche Material aus jeder Kamera. So konnte ich zu jeder x-beliebigen Stelle schneiden. Der endgültige Film entstand daher auch erst am Schnittplatz. In Ilmenau konnte ich auf meinem Laptop den gesamten Film schneiden. Da die Auswahl an Schnittsoftware für HDV 720i 25p Material sehr begrenzt ist, entschied ich mich für Adobe Premiere Pro 2.0, mit Canopus und Avid Liquid 7 hatte ich sowieso keine Erfahrung.
Die ersten Rücksprachen zum Rohschnitt mit meinem Professor ergaben dringende Kürzungen. Es gab Längen im Mittelteil und das Ende war zu uneindeutig. Was keinem beim ersten Sehen auffiel, war ein irreparabler Anschlussfehler. Neuhäuser hat die Brille erst abgelegt auf dem Tisch liegen, doch urplötzlich mitten im Gespräch hat er sie auf. Und das bis zum gemeinsamen Aufstehen mit Borowski.
Für die Farbkorrektur und ein paar intensivere Nachbearbeitungen setzte ich mich in Weimar an Combustion und benutze für Matepaintings Photoshop. Die Arbeit war intensiver als erwartet.
Durch die damals hohe Auflösung, 1280 x 720 Pixel, in Vollbildern und durch die gute Qualität der Komprimierung im Mpeg 2 Format konnte ich mir sehr starkes Aufhellen von zu dunklen Bereichen erlauben. Das war bis dato mit DV-Footage nahezu unmöglich.
Die Animation des Blutes in den Bodenfliesenrillen entstand in 3DS Max an der Bauhaus-Universität Weimar. Für die Animation der Flüssigkeit diente Realflow, ein eigenständiger Flüssigkeitssimulator.
Wegen der permanenten dumpfen Geräusche von nebenan aus dem C-Keller hatte ich Sorgen, ob der Ton überhaupt brauchbar ist. Zu meiner Verwunderung war er viel besser als erwartet. Constantin Popp hatte als Tonmeister wirklich gute Arbeit geleistet. Nur an einer Stelle an der Bar hört man im Originalton ganz Schwach einen Rhythmus. Hier hoffte ich, dass die Hintergrundmusik den störenden Rhythmus überdecken würde - was glücklicherweise auch der Fall war.
Zudem war ich positiv überrascht, wie engagiert und selbständig Constantin sich um die Tonbearbeitung kümmerte. Die endgültige Tonschnittfassung baute er als Tonmischer aus zusätzlich auf Laptop aufgezeichneten Tonaufnahmen noch mal zusammen, um Teile davon besser bearbeiten zu können und Übergänge zu setzen.
Wir organisierten einen kleinen Tonnachdreh im Roxanne am 05. März um zusätzlich Schritte, Bargeräusche, das Aufstehen vom Tisch, das Geld, was aus der Kasse in eine Tüte gepackt wird. Geschnitten und gemischt bekamm ich die Tondatei von Constantin zugeschickt, konnte sie mit meinem Kanmeraton austauschen und fertig war der finale Schnitt.
Um die Atmosphäre vor Ort zu unterstreichen, braucht der Film Musik, die im Hintergrund einer Bar laufen würde und die sollte mir im Kasseturm bei einem Konzert Christoph Bernewitz Trios begegnen. Ich vereinbarte mit Christoph eine Aufnahme an einem Montag, den er mir leider am Freitag zuvor absagte. Doch glücklicherweise war ich an diesem Tag zufällig gerade unterwegs und traf zwei Studenten, Nikita und Nils, die auf der Schillerstraße mit Gitarre und Saxofon fantastische Jazzmusik spielten. Und auch noch begeistert zusagten.
Constantin und ich nahen die beiden in einem Tonstudio an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar auf, nachdem wir den Film geschaut und die Musikstimmung besprochen hatten. Nils spielte sein Saxofon hervorragend. Er improvisierte zu Nikitas vorher festgelegten Gitarrenakkorden einen wundervollen lebhaften Jazz. Zusammengesetzt ergab die ruhige Gitarre und das Saxofon mit den Bargeräuschen und dem Gespräch der beiden Protagonisten genau die Raumklangatmosphäre, die mir vorschwebte.
Beim ersten offiziellen Screening hatte unser fertiges Ergebnis sehr gemischtes Feedback erhalten. Kamera und Licht wurden gelobt, jedoch das Drehbuch kritisiert. Daher haben wir den Film nachträglich nocheinmal umgeschnitten und zusätzlich gekürzt. Und ja, heute würde ich die Geschichte bei Weitem anders schreiben. Aber der Dreh und die Zusammenarbeit bleiben in herrlicher Erinnerung. Diese kleine Geschichte ist heute immer noch untypisch für Studentenfilme - und gerade deshalb so besonders.